Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt




Dürrenmatt schreibt »Die Physiker« 1961 als eine groteske Komödie, in der er den Menschen als Mängelwesen in einer sich fortwährend technisierenden Welt zeigt: „Der Mensch sieht sich immer gewaltiger von Dingen umstellt, die er zwar handhabt, aber nicht mehr begreift.“ Dinge, die die ganze Menschheit auslöschen könnten, haben gerade erst einen Namen erhalten und zugleich ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass das Ende der Welt von nun an in der Hand des Menschen selbst liegt: als mögliche Folge einer aktiven Handlung oder als Kontrollverlust über die eigene Technik.


In einem Irrenhaus geschieht zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten ein Mord. Ein verrückter Physiker, der sich für Einstein hält, hat eine der Schwestern erwürgt. Der zuständige Polizeiinspektor ist ausser sich, da auch ein zweiter in der Anstalt einsitzender Physiker, der seinerseits glaubt, Newton zu sein, bereits einen ganz ähnlichen Mord begangen hat. Die Chefärztin verspricht, für mehr Sicherheit zu sorgen und die Krankenschwestern durch männliche Pfleger zu ersetzen.

Als auch der dritte Physiker im Haus, Johann Wilhelm Möbius, einen Mord an einer Schwester begeht, erklärt er dem Inspektor, dass König Salomon ihm den Auftrag dazu gegeben habe. In Wahrheit hatte Schwester Irene aber nur sein Geheimnis entdeckt und musste deswegen sterben: Möbius ist gar nicht verrückt, sondern spielt den Irren nur, um sich in der Anstalt verstecken zu können. Er hat die Formel aller Formeln gefunden und glaubt, dass seine Erfindung, sobald sie in die falschen Hände gerät, Unheil über Menschheit bringen wird. Aus moralischen Gründen hat er sich also von der Welt zurückgezogen.

Die beiden Physiker Einstein und Newton entpuppen sich ebenfalls als nicht-verrückt. Auch sie sind eigentlich berühmte Physiker, die jedoch vom Geheimdienst ihres jeweiligen Landes beauftragt worden sind, sich im Irrenhaus einzuschleichen und an Möbius’ Formel zu kommen. Der erklärt, dass er seine Aufzeichnungen zur Sicherheit längst vernichtet habe. Um die Welt zu retten, müsse man ihr den Rücken zukehren, sagt Möbius und überzeugt seine Kollegen. Die drei Männer stossen miteinander an und beschliessen, im Irrenhaus zu bleiben.

Wie sich herausstellt, ist die Chefärztin von Zahnd die einzig wirklich Verrückte. König Salomon sei ihr erschienen und habe ihr aufgetragen, in seinem Namen die Weltherrschaft zu übernehmen. Heimlich hat sie deshalb eine Kopie von Möbius’ Aufzeichnungen angefertigt und ein Unternehmen gegründet, um mit Hilfe der genialen Formel die Kontinente zu erobern und auszubeuten. Ihr Pfleger bringen Gitter an den Fenstern der Anstalt an, um sie ausbruchssicher zu machen. Die drei gesunden Physiker sitzen im Irrenhaus fest, während die verrückte Ärztin die Weltherrschaft an sich gerissen hat.